
16.-18. September, Atlas Gebirge
Wie bei unserer Wanderung in Chefchaouen hatten wir auch diesmal keine detaillierte Karte – die sind nur schwer zu bekommen (die Algerier dürfen sie nicht in die Hände kriegen!) und einen Fremdenführer konnten wir uns schlecht leisten. Wieder mussten wir uns allein auf die Beschreibungen im Lonely Planet und im „Reise-Know-How“ verlassen.
Auf den Berg! Von Imlil führte uns der Weg entlang eines fast vollständig trockenen Flusstales nach Aroumd. Diese Ortschaft ist oben auf einem Berg angelegt und sieht mit seinen Terrassen und den an steilen Abhängen entlang führenden Wegen einem Bergdorf im Himalaya recht ähnlich.
Anschließend führte uns der Weg stetig Bergan bis zu einer heiligen Quelle, Sidi Chamharouch, die allerdings nur Muslime betreten dürfen.
Auf dem Weg dorthin trafen wir Mohammed, der uns bat, seinem Bruder Ibrahim in Sidi Chamharouch eine Nachricht zu überbringen. Tage später, auf dem Rückweg sollten wir beide wieder treffen. Mohammed erklärte uns dann, sein Bruder, der eine große Narbe auf der Stirn trug, sei von einem bösen Geist besessen und müsse deshalb bei den heiligen Quellen leben.
Kalte Nacht. Der Weg führte weiter durch das ansteigende Tal während der Bewuchs langsam immer karger wurde. Die Bergwelt war hier wunderschön und weitaus abwechslungsreicher, als wir das vermutet hätten. Der Weg zog sich lange hin, das Gehen wurde immer anstrengender, aber endlich erblickten wir in der Ferne das Refuge, die Hütte des französischen Alpenvereins.
Inzwischen wurde es sehr kalt und bald auch dunkel. Kurz unterhalb der Hütte schlugen wir unser Zelt auf. Sofort verzogen wir uns in die Schlafsäcke und versuchten uns aufzuwärmen.
Am nächsten Morgen klagt Martin über seinen unzureichenden Schlafsack. Tatsächlich hat es in der Nacht Frost gegeben, auf dem kleinen Bach hat sich Eis gebildet. Es ist halb acht, als wir aufbrechen und versuchen, der Beschreibung unseres Reiseführers folgend, den Weg auf den Jebel Toubkal zu finden.
Orientierungsprobleme. Die Beschreibung ist allerdings vage und mehr als einmal sind wir uns nicht sicher welchen Weg wir einschlagen sollten.
Den ganzen Vormittag über sehen wir nur zwei Menschen, die in einiger Entfernung unterwegs sind. Die Strecke ist beschwerlich und Kräfte zehrend, durch die Höhe kommt man schnell außer Atem. Es wird uns leicht schwindelig.
Ein paar Bergziegen schauen uns zu, wie wir über rutschiges Geröll und steile Felsen kraxeln. Schließlich erreichen wir den Gipfel. Mit letzter Kraft schleppen wir uns auf seine Spitze. Das Entsetzen ist groß, als wahr wird, was wir im Stillen schon einige Meter unterhalb vermutet hatten: Wir sind auf dem falschen Gipfel!
Einige Kilometer weiter, in der Richtung aus der wir kommen ist der Jebel Toukal mit seinem Gipfelkreuz zu erkennen. Er ist noch einige Meter höher als der Gipfel, auf dem wir uns befinden und unerreichbar aus unserer Position.
Die Ziegen glotzen ungläubig und in etwa genauso wird unser Ausdruck gewesen sein. Die Aussicht ist auch von hier Atemberaubend, aber der höchste Berg des Atlas ist eben doch das Maß des Erfolgs. Also besprechen wir, wie wir vorgehen sollen. Den anderen Gipfel noch am gleichen Tag zu erreichen ist offensichtlich unmöglich – also eine zweite Nacht in den Bergen.
